Investoren warten auf den Einbruch im M&A Markt, der nicht kommen wird. Zumindest nicht bei Targets mit gesundem Unternehmenskern.

Seit Monaten spekulieren Investoren darauf, endlich Schnäppchen machen zu können. Müde Unternehmer, die den schlechten Marktaussichten einfach nicht mehr standhalten wollen, sollen ihre, zumindest vor Corona, soliden Gesellschaften nun endlich zu angepassten Preisen verkaufen. Je länger die Krise dauert, desto bereitwilliger sollten sich diese Gesellschafter dem Druck des Marktes beugen und mit ihren Preiserwartungen potentiellen Käufern entgegenkommen. Doch die Gesellschafter tun gut daran, dies nicht zu tun.

Die durchschnittlichen EBIT Multiples bei M&A Verkäufen liegen noch immer zwischen 7,5x und 8,5x (in Abhängigkeit der Branche, Größe, Profitabilität der Unternehmen). Günstige Corona-Kredite unterstützen auch Cash-schwächere Gesellschaften und die freizügigen Regelungen zur Kurzarbeit helfen den Unternehmen Lücken zu überbrücken.

Die Politik funktioniert soweit – noch. Die Zeit der Insolvenzen wird kommen, sobald sich die Wirtschaft wieder normalisiert und künstliche Geldschwämmen eingestellt werden. Aber dies wird schwächere Unternehmen treffen. Unternehmen die heute schon solide aufgestellt sind und keine Kredite benötigen werden sogar verstärkt aus der Krise hervorgehen.

Ich behaupte sogar, für solche Unternehmen ist die Zeit der Expansion nun gekommen. Genau, jetzt, nicht in einem halben Jahr oder gegen Ende nächsten Jahres. Spekulieren Sie nicht auf stark fallende Preise bei Unternehmensverkäufen. Die wird es erst einmal nicht geben. Weder wird Corona die letzte Pandemie noch diese Rezession die letzte ihrer Art sein.

Erfahrene CEOs und erfolgreiche Unternehmenslenker wissen, dass Krisen die Chancen bieten zu expandieren und Marktanteile zu sichern, während andere sparen und schrumpfen. Klar braucht dies Mut, sich antizyklisch zu verhalten, aber mit der richtigen Strategie (Implementierung mit Geschwindigkeit) und gekonnten Maßnahmen, um nach der Akquisition die Werte auch zu heben (in der Post Merger Integration), sind die Risiken überschaubar.

Am Ende dieses Jahres ist die Zeit nicht Reif für Reflexion, sondern für Expansion. Wenn erst das Rennen um die vermeidlichen Schnäppchen los geht, ist es lange zu spät, um mit Zukaufsplänen zu beginnen. Vermeiden Sie es, aus der Insolvenz heraus zu kaufen (siehe dazu meinen Artikel, Die Geier warten schon). Investieren Sie stattdessen in solide Targets, die Ihr Geschäft mit stabilen Margen komplettieren.

Für viele ist das Jahresende eine Zeit des Rückblicks, der Ruhe, der Reflexion. Das ist angenehm und sicherlich auch verdient. Es kann dazu dienen neue Kräfte zu sammeln und sich zu fokussieren. D.h. wenn man es sich leisten mag, träge sein möchte und lieber zögert als die Chancen zu nutzen, die vor einem liegen. Natürlich gönne ich allen erholsame Feiertage mit der Familie, es war schließlich ein anstrengendes Jahr. Auch ich werde Weihnachten feiern. Ich freue mich aber auch darauf gleich nach den Feiertagen wieder Expansionspläne voranzutreiben.

Stephan Jansen